Igor Levit live in der Elphi

Igor Levit gilt als eines der ganz großen Talente unter den jungen Pianisten der Gegenwart. Ein konzentrierter, nachdenklicher und leidenschaftlicher Musiker, der vor kaum einer Herausforderung zurückschreckt. Insofern erstaunt es nicht allzu sehr, dass Levit zu Beginn des Jahres bei seinem Label Sony Classical ein Album mit allen Klaviersonaten Ludwig van Beethovens veröffentlich hat. Allen! Die meisten jungen Pianisten machen um mindestens die ersten sechs heutzutage einen großen Bogen.

Igor Lewit

Es ist eher unüblich dieser Tage, dass sich ein Klassik-Künstler zu politischen Meinungsäußerungen hinreißen lässt. Igor Levit tut dies. Aktiv.

Sein Lieblingsmedium ist hierzu Twitter, wo er kein Blatt vor den Mund nimmt und sich beispielsweise leidenschaftlich für die deutschen Macher von Fridays for future engagiert oder ebenso leidenschaftlich gegen die AfD wettert. Er fordert, dass wir uns mit allem, was wir haben Rassisten und Spaltern entgegenstellen. Und ihnen keinen Millimeter Freiraum überlassen.

Meinungsstarker Virtuose

Im September 2018 gab er vor einer Zugabe von der Bühne ein politisches Statement ab. Er sagte, so die Webseite des WDR, dass eine Gesellschaft, die sich nicht gegen Rassismus, Ausgrenzung und „die Idee, dass es Menschen zweiter Klasse geben kann“, stelle, zuließe, vergiftet, entgeistigt, entmenschlicht zu werden. „Ich hoffe“, fuhr Levit fort, „dass wir alle das nicht zulassen.“ Er erntete riesigen Beifall und spielte Paul Dessaus um 1938 entstandenes Antikriegsstück „Guernica“.

Nun geht ein Liebhaber von Kultur und Musik selbstverständlich nicht in ein Konzert, um dort politische Mahnungen zu hören. Jedoch zeugt es von Mut und Größe, für seine Überzeugung einzutreten. Viele Künstler scheuen davor zurück – aus Angst um ihre Karriere.

Elbphilharmonie Hamburg

Doch Igor Levit ist schlicht zu gut. Ob er es sich erlauben darf? Er macht es einfach. In der Elbphilharmonie spielt er von 2019 bis 2021 Solo-Abende mit sämtlichen Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven. Ein Mammut-Programm! Er versteht es, selbst Zuhörer auf seine Seite zu ziehen, die nicht notwendigerweise in der Klassik verankert sind. Er fesselt das Publikum mit den Klängen, die er den Tasten entlockt. Es ist faszinierend. Und man sollte es sich nicht entgehen lassen, diesen jungen Mann an seinem Flügel zu hören und zu erleben.

The New Yorker schrieb, der Pianist Levit verbinde in seinem Klavierspiel „klanglichen Charme, intellektuellen Antrieb und technische Brillanz“ – und bringt es damit sehr treffend auf den Punkt. Für Levit ist die Kunst und der kritische Geist untrennbar miteinander verbunden. Die Süddeutsche Zeitung sieht Levit als „Glücksfall“ für das heutige Konzertgeschehen.

1987 in Nizhni Nowgorod geboren, zog Igor Levit im Alter von acht Jahren mit seiner Familie nach Hannover. Sein Klavierstudium an der dortigen Hochschule absolvierte er mit der höchsten Punktzahl in der Geschichte des Instituts. Heute lebt Igor Levit in Berlin.

Levit bringt seine künstlerische Vielfältigkeit nicht nur als einer der weltweit führenden Pianisten zum Ausdruck; darüber hinaus ist er künstlerischer Leiter der Kammermusikakademie und des Standpunkte Festival des Heidelberger Frühlings. Und seit dem Frühjahr 2019 Professor für Klavier an seiner Alma Mater, der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Zum Saisonabschluss 2019 tourt Igor Levit mit einem reinen Beethoven-Sonatenprogramm in den USA, das ihn unter anderen an die Carnegie Hall in New York, nach Washington, Princeton, Chicago und San Francisco führt.

Im März 2020 gastiert Levit gemeinsam mit der Kammerakademie Potsdam im Großen Saal der Elbphilharmonie. Und unsere Empfehlung ist: hingehen, anhören, begeistert sein.

Unser Igor Levit Arrangement